10 Jahre NoCG
- Simon Sasek

- vor 2 Tagen
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Heute jährt sich unser Ausstieg zum zehnten Mal. Ein kurzer Blick zurück auf unbeschwerte Sommertage und mächtige Gezeiten im warmen Nebelschleier. Ein Innehalten in der Ruhe vor der Rückkehr des Meeres.

Heute vor genau zehn Jahren sass ich im Zug. Es war der schwerste, einsamste und zugleich mutigste Schritt meines Lebens. Zehn Jahre ohne die OCG. «10 Jahre NoCG» nennt es ein guter Freund lächelnd, wenn wir uns zuprosten: Ein dauerhaftes «Nein» zu den menschenverachtenden Dogmen von einst und ein tägliches «Ja» zu einem selbstbestimmten Leben, auch wenn das zuweilen anstrengend sein mag.
Ich bin dankbar.
Es ist bisher alles so viel besser gekommen, als ich es je zu hoffen wagte. Meine Emotionen kündigten mir beim Ausstieg Freifall und Weltuntergang an. Stattdessen tat sich eine neue Welt vor uns auf. «Deine Gefühle haben sich in der Welt geirrt, Simon!», dieser Gedanke pulsierte in den vergangenen 10 Jahren oft durch meinen Kopf.
Das obenstehende (völlig unbearbeitete) Bild entstand in Cancale, diesem malerischen kleinen Fischerdorf an der Küste der Bretagne, das wir auf einer unserer Reisen kennen und lieben lernten. Ich sitze auf einer Bootsrampe bei Ebbe und blicke hinaus auf das dunstige, graue Meer, das am Horizont mit dem Himmel verschmilzt. Es ist kein strahlend heisser Sommertag, aber die Luft trägt den warmen, salzigen Duft des Atlantiks. Die eindrücklichen Gezeiten in Cancale erinnerten mich oft an unsere eigene Lebensreise: Manchmal gilt es zu warten, bis das Wasser wieder zurückkehrt. Bis der Steg wieder befahrbar wird, die Schwaden sich verziehen. Man weiss es aus Erfahrung: Das Meer wird wieder kommen, der Wind wird drehen. Schon bald.
Wir denken heute, an unserem 10. Jubiläum, mit so viel Freude an diese schönen bretonischen Tage zurück. Wie meine Tochter und ich jeden Abend die legendären huîtres cancalaises (Austern von Cancale) schlürften, die dort direkt vor unserer malerischen Wohnung geerntet werden. Wie Mia lachend mit uns anstösst und ein Glas echten Champagners in unseren Händen perlt – ein leiser, glücklicher Toast auf alles, was wir gemeinsam erreicht haben. Wir dürfen stolz auf uns sein.
Viele von euch erinnern sich an meinen Eintrag vor drei Jahren am 29. August 2023, an unserem siebten «Independence Day». Ich hatte damals angekündigt, dass ich die Klärung der Vergangenheit künftig jenen Stellen überlassen werde, die von Berufs wegen für Recht und (hoffentlich) Gerechtigkeit zuständig sind.
Ich möchte euch heute mitteilen: Ich habe Wort gehalten.
Ich habe die nötigen Schritte schon vor bald zwei Jahren eingeleitet. Es ist ein Weg, der uns allen viel Geduld abverlangt, doch die Dinge liegen nun dort, wo sie hingehören. Weil gut Ding Weile haben will, braucht es jetzt vor allem Stille und die nötige Zeit. Ich werde hierzu vorerst keine weiteren Details nennen. Wenn der Moment reif ist, der Nebel sich gelichtet hat und das Wasser zurück ist, werde ich euch ins Boot holen und auf unsere Reise mitnehmen.
Bis dahin geniessen wir die erlangte Freiheit weiter, die warmen Erinnerungen an die Bretagne, während wir gewiss sind, dass alles seinen richtigen und vorbestimmten Gang gehen wird, wir unseren Pfad durch die Gezeiten finden werden.
Danke für eure jahrelange Treue, euren unschätzbaren Zuspruch und eure Begleitung auf unserem Weg in diesem freien Leben.
Herzlich, euer Simon



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